Lieber ein Display zum Mitnehmen als ein iPhone Duo
Gedanklich habe ich das jetzt iPhone Duo bereits sehr früh im Gerücktezyklus als für mich nicht passend empfunden 1. Ob dies mit meinen Erfahrungen mit dem Surface Duo in Verbindung steht, mit dem ich über fast zwei Jahre versucht habe klarzukommen, aber es nicht gepasst hat, ist mir nicht klar. Das Surface Duo war ein anderes Konzeot, dazu noch Android. Aber auch der Formfaktor hat mich immer irgendwie gestört und ich habe das aufklappen als oft unpassend empfunden. Auch weil es immer beide Hände erforderte.
John Gruber hat in The iPhone Duo das neueste iPhone ziemlich schlecht wegkommen lassen. Einer seiner Kritikpunkte bezieht sich auf die Praktikabilität des Aufklappens.
Every time you pick up the Duo to use it you face The Decision. Open it? Or be lazy and suffer with the outside display? Every time. Even if you get used to all the other things, you’ll always face The Decision, every time you pick up the Duo.
Zum Ende seines Artikels betrachtet er auch, dass das iPhone Duo besser ein iPad mini geworden wäre, wobei er aber vermutet, dass die Kosten für den Klappmechanismus gewaltig sein werden.
Rückblick iPad 2010
Mit dem erscheinen des ersten iPads war ich schockverliebt in mein iPad, das mir ein Freund eine Woche nach dem US Verkaufsstart aus New York mitgebracht hatte. In der ersten Zeit habe ich es sehr intensiv, auch unterwegs genutzt. Schnell wurde mir aber klar, das der große Formfaktor in den meisten Situation mir unpassend erschien. Im Cafe sitzend noch ok. Dort kann man auch in richtigen Büchern unverdächtig lesen. Im öffentlichen Nahverkehrsmitteln dann aber bereits zu groß. Und es musste immer aus der Umhänge-Tasche geholt werden, da es nicht in meine Bekleidungstaschen passte. Für mich damals ein Novum: Ich kaufte zum iPad eine kleine Umhängetasche. Ein Freund nannte sie immer Herrenhandtasche.
Nach der Neulust wurde das mitführen des iPads und die Nutzung in der Öffentlichkeit deutlich seltener. Und das jeweilige iPhone ist das “Unterwegs” Gerät. Seit einigen Jahre habe ich ein 12,9 Zoll iPad Pro, das aktuell aber fast unbenutzt ist, seit der Macbook Air M4 vor zwei Jahren eingezogen ist. Nach aktuellem Stand wird ein kein Folge-iPad als persönliches Gerät für mich geben.
Dennoch gibt es Situationen, bei denen ich gerne einen großen (größeren ?) Screen für die iPhone Benutzung hätte. Zum mitnehmen auch gerne als faltbares Gerät. Evtl. kommt Apple irgendwann einmal auf die Idee, iPhone Companion Screens mit Touch Bedienung (ähnlich dem HomeView) anzubieten. App, UI und Rechenleistung kommen aus dem iPhone, das “Tablet” ist nur Bildschirm und Toucheingabe. Als Variante in unterschiedlichen Größen und evtl. auch faltbar. Damit würde man die Kategorie iPad mindestens massiv schwächen. Aber das iPad ist bei der Mengenbetrachtung ja immer schon nahe an “nicht relevantes Rand-Produkt”.
Mein erstes Ausschlußkriterium für das iPhone
FoldDuo war die Nutzbarkeit als Kamera (Qualität, aber auch Gimbal- und Stativbefestigung). Sowie insgesamt die vermutlich schlechtere Befestigungsmöglichkeit, auch wenn Magsafe vorhanden ist. ↩︎
Superhelden in der Notaufnahme
Nach langer Zeit haben meine Frau und ich wieder einmal eine Nacht durchgemacht und sind erst um 6 Uhr in der Früh ins Bett gegangen.
Nur leider anders als früher. Nach einem kleinen Sturz gestern Abend kam meine an Alzheimer erkrankte Frau nicht allein vom Boden auf die flache Couch und verweigerte meine Hilfe lautstark. Dazu kamen Fieber und einige andere Symptome. Daher musste ich den Rettungsdienst alarmieren. Es folgte die Einlieferung in die Notaufnahme einer innenstadtnahen Kölner Klinik. Nach gründlicher Untersuchung, bei der nichts offensichtlich Auffälliges festgestellt wurde, und angesichts ihres relativ guten Allgemeinzustands und ihrer Demenz wurde schließlich entschieden, dass sie wieder nach Hause kann.
Während meines Aufenthalts in der Notaufnahme konnte ich von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens verfolgen, was sich dort in einer Nacht von Sonntag auf Montag abspielt. Die Menschen, die dort arbeiten, sind meine neuen Superhelden. Ich vermute, wir müssen aber dauerhaft etwas ändern, damit dort überhaupt noch Menschen arbeiten möchten. Es kann nicht sein, dass die Notaufnahme die Abladestelle für alle Probleme einer Stadt ist, insbesondere für die freiwillig gewählte Nutzung von Drogen und andere Folgen aus idiotischen vermeidbaren “Freizeitaktivitäten”.
Heute Mittag erschien dieser FAZ Artikel (vermutlich Paywall) in meinem Reader: „Der schiebt gerade miese Paranoia“. Passt leider perfekt zu meinen Eindrücken aus der Nacht in der Notaufnahme.
Falls jemand einen Intensivkurs in „Wie bewahre ich Ruhe in schwierigen Umständen“ sucht, sollte bei einer Notaufnahme in der Nähe nachfragen, ob diese dort so etwas anbieten, eventuell als Praktikum. Das ist vermutlich mit das Beste, was man im Alltag machen kann: mehrere kranke Patienten (Menschen !) gleichzeitig mit unterschiedlichen Problemen, Lärm, Geschrei, jede Menge zum Teil existenzieller Probleme, Maschinen, die dauernd lautstark piepen und Vollalarm melden.
Ich sage für den Moment nur: DANKE!
Doch aufkommende Computer Nostalgie : Apple IIe und Appleworks
Auf die Frage, ob ich alte (historische) Computer spannend oder interessant finde, würde ich zumeist spontan antworten: “Eher nicht!” - Dennoch lösten die Berichte 1 + 2 über die Classic Computing ein Stück Nostalgie in mir aus. Viele der Systeme klangen vertraut.
Bevor es permanten Zugang zu einem richtigen Computer gab (der Texas Instruments TI-66 PROGRAMMABLE passt nicht ganz in die Kategorie) waren es ZX81, VC20, Commodore 64, TI 99/4A mit denen ich irgendwie etwas gemacht habe.
Sehr prägend war der zunächst regelmäßige, später auch permanente Zugang zu einem Apple IIe. Neben dem in der Schule genutzten UCSD Pascal war es die App AppleWorks auf meinem Heimcomputer, mit der ich viele Erfahrungen gesammelt habe. Ich schrieb einige Aufsätze mit der Textverarbeitung und musste mit einigen Lehrern länglich über die Zulässigkeit eines Ausdrucks im Vergleich zu handschriftlichem Text diskutieren. Es gab auch massive Vorbehalte gegenüber Textverarbeitung, zumeist im Zusammenhang mit der Frage, wie sich dadurch die Entstehung von Texten verändert. Während ich argumentierte, dass es für mich einfacher sei, den Text zunächst als Rohfassung zu schreiben und anschließend den Feinschliff vorzunehmen, einschließlich der Strukturierung des Textes, begegnete ich einer weitverbreiteten Skepsis, meist verbunden mit der eigenen Unkenntnis des Werkzeugs. Auch konnte ich während der Oberstufenzeit mithilfe einer selbst erstellten Kalkulationstabelle jederzeit den Stand meiner Abiturnote nachvollziehen, einschließlich der Simulation verschiedener Szenarien. Unnötig zu erwähnen, dass auch diesem Werkzeug bei seiner Erwähnung mit Misstrauen und Skepsis begegnet wurde.
Da der Apple II als einziger meiner historischen Rechner noch in zwei Kartons verpackt im Keller steht, überlegte ich bereits, ob ich ihn nicht wieder in Betrieb nehmen sollte um das Gefühl von damals noch einmal zu erleben. Vermutlich müsste ich mit offenem Ausgang aber länger nach der zugehörigen Diskettenbox suchen, bei der ich nicht sicher bin, ob sie bei einem unserer Umzüge eventuell verloren gegangen ist. Nach kurzer Suche stellte ich fest, dass es einen Apple II Software Emulator für MacOS gibt. Es werden sogar die Geräusche des Diskettenlaufwerks simumliert. Nett und direkt die Vollversion für 29€+Steuer gekauft. Auch Appleworks findet sich sehr schnell zum Download. Ich habe ein wenig herumgespielt und erinnerte mich auch direkt wieder an die Benutzungslogik.
Evtl. mache ich mich doch auf die Suche der Diskettenbox. Dort sollten sich auch meine damaligen Datendisketten inkl. der erstellten Dokumente befinden. Wird sicherlich eine spannende Bastelarbeit die Disketten auch einzulesen und evtl. zu transferieren.

Der Vollständigkeit halber: Zwischen 1987 und 1992 folgten dann Commodore Amiga 1000, Apple Macs und PCs (DOS, Windows, OS/2). Dazu noch ein nur-Text Unix System, Sun Microsystems Sun-3, Sun-4 und SPARCstation, Siemens BS 2000 mit EDT.
Es scheint doch ein wenig Computer Nostalgie aufzukommen.
2026-10-16 KI Dinge
Ich bin im Verlauf der Woche wieder einige kleine KI-Snippsel aufgesammelt
Gemini Pro 3.1 nicht mehr verfügbar: Qualität von Gemini Flash 3.8 (High) ebenbürtig
Ich habe hier eine selbst gebaute App laufen, die neu erscheinende Folgen von Podcasts (via RSS-Feed), Fernsehsendungen (Talkshows, Diskussionen) via RSS von MediathekViewWeb und YouTube-Kanälen herunterlädt, sie anschließend transkribiert und mit Sprecher und Zeitmarken versieht. Die erzeugten Textdateien (Markdown) wird von einer KI mit ausführlichem Prompt auswerten, sodass ein kurzer, überschaubarer Zusammenfassungstext entsteht.
Diese App funktionierte seit Anfang der Woche nicht mehr, da Google Gemini 3.1 Pro für meinen Abo-Typ nicht mehr als Modell via agy anbot. Gemini 3.1 Pro war bisher mein bevorzugtes Modell, da es inhaltlich vollständige und nicht zu geschwätzige lange Zusammenfassungen erzeugte, die in meinen Augen dennoch ausreichend vollständig waren. Besonders die Modelle von Anthropic, aber auch die von OpenAI, waren mir bei den Zusammenfassungen zu ausführlich. Die Modelle aus China, aber auch die günstigen Modelle aller Anbieter, fassten mir dagegen zu knapp zusammen.
Als Alternative konnte ich via agy Gemini 3.8 Flash nutzen. Die ersten Versuche mit der High-Variante deuten auf eine ähnliche Qualität wie bei Gemini 3.1 Pro hin. Ich bin gespannt, wie aktuell die Daten des Modells sind. Gemini 3.1 Pro schloss sein Training noch zu Zeiten von Bundeskanzler Olaf Scholz ab. Bei einem Durchlauf wurde somit der Sprechtext häufig falsch ergänzt: Aus „Der Bundeskanzler hat heute …“ wurde zum Beispiel „Bundeskanzler Scholz erklärte heute …“, obwohl der Bundeskanzler-Staffelstab bereits weitergereicht wurde.
Mittlerweile ist auch Gemini 4 Argon zugänglich. Ein erster Durchlauf mit „Medium“ deutet auf eine sehr umfangreiche, für mich vermutlich zu ausführliche Textausgabe hin.
Demenz und KI-Kompagnon-Nutzung
Die Demenz meiner Frau ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass sie oft unzusammenhängende Wörter oder wortähnliche Dinge sagt, die ich nicht verstehen oder in einen Sinnzusammenhang bringen kann. Nur aus der Stimmung oder der Betonung in Verbindung mit verständlichen Wörtern kann ich manchmal ableiten, was sie sagen möchte.
Ich wollte schon seit einer Weile einmal schauen, ob eine KI aus einer Aufzeichnung etwas mehr Kontext zusammenfabulieren kann. Am Mittwochnachmittag war sie sehr gut gelaunt und führte ausgeprägte Selbstgespräche. Ich habe dann für fünfzehn Minuten den ChatGPT-Konversationsmodus aktiviert und mein Telefon auf den Tisch vor ihr gelegt. Es war interessant, das Gespräch und die Reaktion meiner Frau auf die KI-Gesprächspartnerin zu beobachten. Auch die Textmitschrift war interessant. Dort waren Inhalte zu lesen, die ich nicht erkannt habe, die aber durchaus im Hinblick auf ihre Biografie ein stimmiges Bild ergeben. Ich werde demnächst einmal einen Prompt vorbereiten, damit die KI den Kontext des nachfolgenden Gesprächs eventuell einordnen kann.
Viele der Gedanken, die Konnexus in KI-Schleife und Einsamkeit andenkt, kann ich gut nachvollziehen. Für den hier geschilderten Anwendungsfall kann ich mir aber vorstellen, dass es auch Fälle gibt, in denen genau dieser KI-Kompagnon hilfreich sein kann.
Codex Agent sucht passenden Artikel bei Amazon
Mein Rosa-Pfeffer Bestand ist Anfang der Woche zur Neige gegangen. Ein Versuch der Nachbeschaffung bei Rewe ist nach 10 miütigem Suchen an 8m Gewürzregalen gescheitert. Das Gewürzregal im Supermarkt scheint sich auf die Tee-Variantenreise begeben zu haben. Anstatt viele unterschiedliche einzelne Sorten von Tee (oder Gewürzen) zu enhalten, finden sich dort zunehmend Funktions-Tee- (-Gewürz-) Mischungen: “Gute Nacht Tee”, “Happy Asis Huhn”, …
Eine erste Amazon-Suche zeigte einige Angebote für Rosa (roten) Pfeffer. Diese waren jedoch zwischen vielen anderen Pfeffersorten verstreut. Die Farbinformation ließ sich dem Amazon-Suchalgorithmus nicht als wichtiges Kriterium vorgeben. Das ergab für mich so kein brauchbares Bild.
Ersatzweise habe ich in Codex einen Agenten über einen eigenen Browser und ohne Login-Informationen nach passenden und preislich attraktiven Angeboten mit 100 bis 250 g Inhalt suchen lassen. Das Ergebnis überzeugte. Fortan werde ich das öfter nutzen, wenn Suchfunktionen unbrauchbare Ergebnisse liefern.
Lecktest (Tolles Angebot!): Hier kein Daten-Komasaufen!
Lecktest: Tolles Angebot. Danke dafür! Macht einen guten Eindruck. Sicherlich auch für weniger technikaffine Menschen gut geeignet schnell selbst einen Überblick zu bekommen, welche “Werkzeuge” auf Webseiten zum Einsatz kommen.
Das Ergebnis für hier:

Ich habe das schon häufiger mit dem Browser Debug Menü vorgeführt und erklärt, welche Art von Daten-Komasaufen auf vielen Web-Seiten stattfindet. Wird aber verständlicherweise zumeist nicht mehr genutzt, da zu kompliziert.
Danke an die Hinweise auf Lecktest von:
DHL Paketzustellung per Briefbote ist Dauer-Murks
Ungern reihe ich mich in die Vielzahl der Menschen ein, die sich ständig über Zustelldienste beschweren. Besonders bei DHL ist die Paketzustellung durch die Paketboten bei uns außerordentlich gut. Es klemmt bei den Briefboten!
Paketzustellung bei DHL super!
Bei Paketen ist DHL und besonders unser langjähriger DHL Paketbote eine positive Ausnahme unter den Lieferdiensten. An den 5 Wochentagen mit dem Stamm-DHL-Boten klappt die Zustellung immer perfekt, ist er in Urlaub oder hat seinen freien Tag, rumpelt es sehr selten.
DHL Paket per Briefbote ist Murks!
ABER: Leider ist die DHL Zustellung per Briefboten unterirdisch schlecht. Obwohl während des Zustellzeitpunkts zu Hause wird nicht geklingelt. Oft erreicht mich die E-Mail mit der Umleitungsnachricht schon so früh, dass ich vermuten muss, dass am Beginn der Zustellrunde bereits mein Päckchen als “Nicht zustellbar” markiert wird.
Klar ist es einfacher Briefkästen nur durch Einwurf zu befüllen, als mühsam zu klingeln und evtl. auch einen kurzen Moment warten zu müssen. Scheint Faulheit eine Protestform ein Schutzmechanismus der Briefboten gegen zu viel oder nicht gewollte Arbeit zu sein.
Zwangsalternative: Ablage im DHL Standort
In meinem direkten Umfeld gibt es jede Menge DHL Paketshops. Diese nahegelegen Shops werden aber nicht für die Ablage von den DHL Briefboten Paketen genutzt. Vielmehr wird an eine DHL Filiale weitergeleitet, die mich meist zu einer Reise quer durch die halbe Stadt zwingt. Diese DHL-Filialen (Dies sind auch nur Kioske oder Schreibwarenläden, die aber einen DHL Tresen haben!) haben immer scheiss sehr eingeschränkte Öffnungszeiten (typisch 9-18 Uhr), sind verkehrlich schlecht zu erreichen und meistens vollkommen überlaufen. Die Logik, das (Klein-) Pakete, die von DHL per Briefboten zugestellt werden sollten, ab dem Zeitpunkt der Zustellungentscheidung als Briefsendung klassifiziert sind und damit dann der Logik folgen, dass sie nur an DHL Filialen weitergeleitet werden können erschließt sich mir nicht. Für mich bleibt es ein Paket, auch wenn es vergleichsweise klein ist.
Paketshops haben nicht die Möglichkeit der Ausgabe von Briefsendungen. Aus diesem Grund erfolgt die Umleitung von hausadressierten Briefsendungen nur an Filialen.
— DHL Rückmeldung
Die Zuordnung, zu welcher DHL Filiale mein Päckchen weitergeleitet unterliegt einem Geheim-Algorithmus: Entfernung soll eine Rolle spielen, aber Kundenzufriedenheit ist definitiv kein Kriterium.
Die Filialauswahl richtet sich nicht allein nach der Entfernung zum Zustellort. Berücksichtigt werden unter anderem die verfügbaren Kapazitäten der Filialen, die Anbindung an die zuständigen Zustellbezirke, Lagerkapazitäten, Öffnungszeiten sowie logistische Abläufe vor Ort.
— DHL Rückmeldung
Alternative #2: DHL Packstation als Lieferadresse nicht möglich
Gerne würde ich mein DHL-Paket, das per Briefbote zugestellt werden soll, an eine Packstation liefern lassen. Allerdings ist es nicht möglich, ein Paket, das mit dem Briefzusteller zugestellt werden soll, an eine Packstation umzuleiten.
Liebe DHL, ich möchte nicht der Leidtragende Eures internen Murks-Systems sein. Please fix it!
Im Moment bleibt mir immer nur die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur und die Hoffnung, dass DHL diese Murks-Prozesse repariert.
Offener Brief an die KI: Wieviel plappern wir Menschen nach?
Dirk von Gehlen schreibt in seinen “Digitalen Notizen” einen schönen offenen Brief an KI. Erinnerte mich an meinen fortlaufenden, inneren Monolog zu “Wieviel plappern wir Menschen nach?”
Du bist ein Spiegel, in dem wir uns häufig nicht genau erkennen, wenn wir in ihn blicken. Wie bei einem Spiegel gilt jedoch auch bei dir: Damit sich was spiegeln kann, braucht es etwas oder jemanden, was vor den Spiegel tritt. Du spiegelst auf neue Art und Weise – auch Inhalte von mir.
Ich habe vor einigen Jahren, noch bevor der große KI-Hype richtig losging, bei einem Führungskräftemeeting eines Unternehmens meinen Ausblick auf KI vorgestellt. Dabei habe ich auch den Nachplapper-Effekt gestreift, um eine Abgrenzung zur vermeintlich richtigen, menschlichen Intelligenz zu beschreiben. Seit der Vorbereitung auf diesen Vortrag geht mir aber immer wieder die Frage durch den Kopf, wie viel unserer menschlichen Intelligenz kein Nachplappern ist.
Lernen und Ausbildung sind oft vom Auswendiglernen bekannten Wissens geprägt. Wir erlernen Dinge, die anschließend in gleicher Abfolge angewandt werden. Auch die akademische Ausbildung fokussiert sehr oft auf das (manchmal sinnlose) Auswendiglernen von Inhalten, die sich anschließend leicht überprüfen lassen. Oft habe ich mich selbst dabei ertappt, dass ich ein neues Wort oder eine Formulierung aufgeschnappt habe, es oder sie mir gefallen hat und ich es oder sie daraufhin (manchmal zu oft) in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen habe. An vielen Stellen würde ich uns Menschen ebenfalls viel Nachplappern unterstellen.
Wie groß ist bei uns Menschen der Anteil der Neuschöpfung von Wissen, des neuen Kombinierens von (ursprünglich nicht zusammenhängenden) Dingen zu etwas Neuem? Wie oft handelt es sich dabei um zufällige Kreationen, die eine Maschine auch mithilfe eines Zufallsmechanismus nachstellen könnte? Wie oft ist es ein Transfer zwischen unterschiedlichen Disziplinen oder Kategorien, den eine (unbegrenzte) KI nicht leisten kann?
Für mich habe ich noch keine abschließende, einfache Antwort auf diese Frage gefunden. Sie bleibt eventuell länger offen, als es manchem Zeitgenossen, der es gerne einfach mag, lieb ist. Von daher gefällt mir der Text von Dirk von Gehlen sehr, der zumindest die Türe gut differenziert ein Stück weit aufstößt.
Meine Lebensmittelentdeckung des Jahres: Eine Salzbuttersorte
Vor einigen Monaten entdeckte ich bei Mare Atlantico, ein Gastro-Lieferant am Rande des ehemaligen Kölner Großmarkts mit Verkauf an Nicht-Gastronomen, im Kühlregal an der Kasse eine Butter in Rollenform. Den Brie aus der Molkerei hatte ich bereits einige Male gekauft und er schmeckte mir sehr gut. Ich habe den Verkäufer gefragt, was so besondes an der Butter sei, die mit einem Preis von knapp 6 Euro für 250g herausstach. Er meinte nur: “Müssen Sie ausprobieren! Vergleichen Sie einmal mit der Butter, die sie sonst essen”. Hat nicht sofort überzeugt, ich habe nicht direkt gekauft. Ab dann kreiste aber der Gedanke in meinem Kopf: Ich muss einmal dem Geschmack der Butter nachgehen.
Aufgewachsen bin ich in einem Magarine-Haushalt. Keine feste Markenzuordnung, es wurde die gerade günstigste Packung gekauft. Bei einer Oma und bei einer Freundin der anderen Oma gab es regelmäßig Butter, bzw. “gute Butter”. Die Freundin der Oma hatte immer irische Butter der Marke Kerrygold, da diese besonders gut zu verstreichen sei.
Mir schmeckt Margarine nicht so gut, hat imnmer etwas öliges. Daher war Butter für mich eigentlich die bessere Alternative. Sobald ich selbst für das Befüllen meines Kühlschranks zuständig war, kaufte ich nur Butter, keine Margarine. Geschmacklich dabei aber ohne besondere Vorliebe. Bei einer Blindverkostung würde ich vermutlich Sauerrahm- und Süßrahmbutter nicht unterscheiden können, geschweige denn Marken voneinander unterscheiden können.
Irgendwann in den Neunzigern habe ich einmal ein Rezept nachkochen wollen, in dem leicht gesalzene Butter (demi-sel) verwendet werden sollte. Meine Suche nach genau dieser Spezifikation blieb leider erfolglos. Im Supermarkt fand sich nur ein Produkt „Butter (gesalzen)“. Das Rezept ist auch mit dieser Butter gelungen. Salzbutter war zu der Zeit in Deutschland ein Exot im Kühlregal. Über die Jahre ändert sich dies und es gab mehr und mehr Butter auch als “Gesalzen”-Variante. In den letzten Jahren habe ich daher fast nur noch “Gesalzen”-Varianten von Butter gekauft, die aber oft mit Rapsöl (und zum Teil auch Wasser) versetzt sind um besser streichfähig zu sein. Aber auch hier wieder ohne Markenvorliebe. Zumeist war irgendeine Marke im Angebot. Mehrfach habe ich die vereinzelt zu findende französische “President” Butter gekauft, die mir aber zu hart und auch zu salzig war. In unserer Potsdamer Zeit haben wir ab und an frisch geschlagene (Salz)-Butter bei Butter Lindner gekauft. Diese hat aber geschmacklich keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und wurde nicht zum Standardprodukt.
Der Butter-Vergleichstest-Gedanke kreiste weiter in meinem Kopf. Ich habe daheim die angebrochene Butter herausgeholt und ein Stückchen pur probiert. Sie schmeckte irgendwie nach nichts, fast schon künstlich komisch. Damit fasste ich den Entschluss, beim nächsten Einkauf die sauteure Butter einmal zu probieren. Rückblickend sollte ich den Verkäufer bei seinem Chef für den Preis „Verkäufer des Jahres“ vorschlagen. Ohne Druck hatte er in meinem Kopf etwas ausgelöst, dass zu später einem Kauf führte.
Beim nächsten Einkauf landete daher eine Rolle „Beurre d’Isigny – Demi-Sel“ in meinem Korb, um sie zu Hause einem Geschmackstest zu unterziehen.

Ergebnis: Wow! Superleckerer, angenehmer Geschmack, leicht salzig. Schmeckt auch ohne Brot sehr gut. Auch leckeres, frisches Brot nur mit Butter wird viel besser.
Etwas hart, wenn sie aus dem Kühlschrank kommt, muss ein wenig warm werden um gut und einfach verarbeitet zu werden. Subjektiv habe ich den Eindruck das sie beim Braten temperaturbeständiger ist und damit nicht so schnell und früh braun wird. Auf jeden Fall kein Vergleich mit den Standard-Butter-Angeboten aus dem Supermarkt.
Ich habe noch ein wenig wegen des Preises mit mir gerungen, bin aber zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Paket exorbitant teurer Butter alle 14 Tage machbar ist. Gute und leckere Lebensmittel dürfen auch ihren Preis haben.
Freunden und Familie habe ich begeistert von meiner Entdeckung berichtet. In einigen Fällen wurde ich skeptisch beäugt und meine Begeisterung wurde kritisch hinterfragt. Ich habe mich dann jeweils zurückgezogen auf: “Einfach selbst probieren und vergleichen!”. In den folgendene Wochen habe ich häufiger ein Paket dieser Butter als Mitbringsel überreicht. Erinnerte mich an meine Omas, die sich oft im höheren Alter auch einfach nur ein Lebensmittel, z.B. ein Paket Kaffee, schenkten.
Bisherige Rückmeldung aller Empfänger: “Super lecker!”. Besonders überrascht war ich von genau dieser Rückmeldung von Freunden aus dem “Margarine Superfan Block”. Auch von dort gab es eine super positive Rückmeldung und den Wunsch noch einmal ein Paket mitgebracht zu bekommen.
Seitdem habe ich die Augen offen gehalten, ob nicht doch einer der normalen Supermarkt-Ketten diese Butter auch im Sortiment hat. Bisher habe ich sie nur (zu einem ähnlichen Preis) im nahegelegenen Frischeparadies gefunden.
Kein Einkaufserlebnis - Wie sich der stationäre Einzelhandel selbst weiter abschaft
Lange habe ich die Einkäufe für Bekleidung, die zur kühleren Jahreszeit passt, aufgeschoben. Da es nun aber leider kälter geworden ist war akuter Handlungsbedarf. Meine Frau wurde dankenswerterweise zu Hause von einem freiwilligen Besuchsdienst betreut. Ich hatte zwei Stunden Zeit, um die geplanten Einkäufe und Erkundungen zu erledigen. Online hatte ich mir bereits einen ersten Überblick verschafft.
Shop 1: 2 x Onlinekauf erforderlich - 1 x Direktkauf mit Problemen an der Kasse
In Shop 1 war das Online identifizierte Hemd nicht zu finden, obwohl kein Hinweis auf eine nur Online-Verfügbarkeit vorhanden war. Ein vergleichbares Produkt, allerdings mit einem Kragen, den ich partout nicht haben wollte, war im Überfluss vorhanden, auch wenn sich mir die Sortierung nicht erschloss. Am Regal selbst waren jede Menge Hinweise angebracht, dass einige (Über-) Größen nur Online verfügbar sind. Das Verkaufspersonal war nur zur Auskunft: “Hemden sind dort, müssen sie mal selber schauen” bereit. Ergebnis: Hemd Online bestellen.
Für meine Frau konnte ich mir einen grundsätzlichen Eindruck zur tatsächlichen Länge von zwei unterschiedlichen Winterjackenmodellen verschaffen. Die konkret gewünschte Größe war jeweils nicht vorrätig. Somit eine weitere Online-Bestellung erforderlich.
Erfolgreich konnte ich ein warmes Unterhemd für meine Frau finden und wollte dieses schnell an der Selbstbedienungskasse bezahlen. Ich legte das Produkt in die Wanne. Mehrfach bestätigte ich die unterschiedlich formulierte Frage nach der Menge der zu zahlenden Produkte. Dann erschien der Hinweis, dass eine manuelle Kontrolle erforderlich sei. Leider war kein Verkaufspersonal zu sehen. Ich konnte auch keine Leuchte entdecken, die anzeigt, dass Hilfe benötigt wird, wie bei den Rewe-SB-Kassen, die beim Kauf von Weingummi immer eine Alterskontrolle erfordern. Das Kassendisplay bot aber auch keine Möglichkeit zum Abbrechen oder irgendeine andere Option. Ein nächster Versuch an der Nachbarkasse führte zum gleichen Ergebnis. Ich machte mich dann auf den Weg und suchte den nächstbesten Verkäufer auf. Dieser gab längliche Codes in die Kasse ein (ich hätte das mitfilmen sollen, da die Eingaben auf dem Touchdisplay jeweils kurz angezeigt wurden). Er musste einiges in ein Formular des ERP-Systems eintragen, bevor ich mit Karte bezahlen konnte.
Shop 2: Je Produkt nur eine Größe vorrätig ➡️ Onlinekauf
In Shop 2 fand ich einen Hoodie für meine Frau. Dieser, wie vermutlich alle Produkte dort, war allerdings nur in einer Größe vorrätig. Könne man aber gerne in der gewünschten Größe bestellen und wäre in einer knappen Woche abholbereit. Auch hier wird wieder ein Online-Kauf erfolgen.
Shop 3: Nur in blau vorrätig ➡️ Onlinekauf
Beim Betreten des Shops wurde ich freundlich mit den Worten begrüßt: „Sorry, wir bauen hier gerade etwas um. Melden Sie sich bitte bei Fragen.“ Im Eingangsbereich wurde scheinbar eine neue Diebstahlmeldeanlage installiert. Dauerndes Alarmgepiepse signalisierte unterschwellig, das Ladenlokal schnell wieder zu verlassen. Ich fand eine interessante Jacke im Herrensortiment, die als Damenjacke für meine Frau gut geeignet schien. Leider konnte ich im Damenbereich keine vergleichbare Jacke finden. Daraufhin sprach ich eine Mitarbeiterin im Eingangsbereich an und bat um Auskunft. „Ja, die Jacke gibt es auch für Damen. Wir haben sie allerdings nur in Blau vorrätig, können wir aber gerne in der Wunschfarbe bestellen.“ Okay, bestellen kann ich auch selbst.
Aus dem geplanten umfangreichen Einkauf wurde dann nur ein Mini-Einkauf vor Ort, und der Rest wird online bestellt. Ich habe es zumindest versucht! Ich sollte darüber nachdenken, ob ich einen Einkaufsratgeber erstelle, in dem die wenigen noch vorhandenen Geschäfte aufgeführt sind, in denen man noch richtig gut beraten wird und auch einkaufen kann. Das wird vermutlich eine sehr überschaubare Liste werden.
Innenansicht Pflegeversicherung - Eine
Aktuell wird viel über die Pflegeversicherung diskutiert. Hier ist mein komplett subjektiver Blick darauf, was in der Pflegeversicherung enthalten ist, was funktioniert und wo die Pflegeversicherung und das Pflegesystem völlig kaputt sind.
Seit Anfang letzten Jahres bezieht meine Frau Leistungen aus der Pflegeversicherung, und ich bin ihr pflegender Angehöriger. Zurzeit pflege ich meine Frau zu Hause. Vermutlich wird sich daran auch nie etwas ändern. Daher liegt mein Schwerpunkt auf der ambulanten Pflegesituation. Ich werfe aber auch einen Blick auf die stationäre Pflege, da es Überschneidungen gibt, zum Beispiel bei der Kurzzeitpflege.
Rückblick
Als die Pflegeversicherung in den 1990er Jahren eingeführt wurde, war sie für mich inhaltlich weit weg. Meine Einschätzung damals: Das ist eine Mittelstands-Erbschafts-Absicherung die als Zwangsversicherung von allen getragen wird. Bei mir kam an, dass die Heim-Pflegekosten immer weiter stiegen und diese hohen Kosten bei den zu Pflegenden zum Rückgriff auf das Vermögen führten und damit das potentielle Erbe der Angehörigen in Gefahr brachten.
Randbeobachtungen
In den letzten Jahren gab es im Freundes- und Familienkreis immer mehr Berichte über Pflegegrade, die Eltern und Angehörigen zugeteilt wurden, und die damit verbundenen Leistungen. Bei mir entstand der Eindruck, dass jede Person über 75 aufgrund typischer altersbedingter gesundheitlicher Einschränkungen einen Pflegegrad erhält. Damit verbunden ist mindestens der Anspruch auf den Entlastungsbetrag in Höhe von aktuell 131 € monatlich für haushaltsnahe Dienstleistungen. Bei weiteren, auch eher alterstypischen gesundheitlichen Einschränkungen, besteht oft auch Anspruch auf einen höheren Pflegegrad und damit auf die Auszahlung von Pflegegeld. In den meisten Fällen von denen ich hörte, änderte sich am Leben der Betroffenen nichts, außer dass nun Kosten übernommen und eventuell zusätzlich Geld ausgezahlt wurden: Das verfügbare Einkommen erhöhte sich. Im Frühjahr diesen Jahres meinte mein Vater mit 84, dass er nun auch einen Pflegegrad beantragen würde. Das Ergebnis: Pflegegrad 2. Auf die Frage, ob er das benötige, sagt er: „Nein“, aber da alle anderen das bekommen, wollte er es auch haben. Einschätzung: viele Mitnahmeeffekte.
Einstieg ins Pflegesystem
Anfang 2025 verschlimmerte sich die Alzheimer-Demenz meiner Frau zunehmend. Über die Jahre war es zwar immer schwieriger geworden, sie allein zu lassen, doch gemeinsame Alltagsaktivitäten waren noch möglich. Ein letzter Versuch, im Sommer 2023 eine (Kurz-)Reise mit einer Übernachtung zu unternehmen, hatte verdeutlicht, dass Reisen nicht mehr möglich waren. Der wöchentliche Einkauf war umständlicher geworden, aber weiterhin machbar. Auch gemeinsame Café- oder Restaurantbesuche funktionierten noch. Besuche von Kulturveranstaltungen und Diskussionen waren mit Einschränkungen möglich.
Bereits ab Spätsommer 2024 gab es zunehmend Probleme mit einer verstärkten Hinlauftendenz und dem Beharren auf der Freiheit, dies auch tun zu dürfen. In der Konsequenz waren wir von Januar bis April 2025 faktisch zu Hause eingesperrt. Gemeinsames Weggehen und Wegfahren war wegen gefährlicher und aggressiver „Ausbruchsversuche“ meiner Frau fast nicht mehr möglich. Sie allein zu lassen, um die nötigsten Besorgungen zu erledigen, funktionierte aber ebenfalls nicht mehr, da sie in der Zwischenzeit zu Hause Dinge – auch aus dem Fenster im fünften Stock – warf oder zerstörte, massive Unordnung verursachte und sich zum Teil auch selbst gefährdete.
Daher suchte ich nach Hilfe. Ich hatte von Kurzzeitpflege und Tagespflege gehört. Klang auf den ersten Blick nach passenden Lösungen. Schnell wurde mir klar, dass man ohne “Pflegegrad” nicht relevant ist. Daher bemühte ich mich um die Erlangung eines Pflegegrades. Hierbei war ich positiv überrascht vom Maß der Digitalisierung und Geschwindigkeit. Antrag konnte Online formlos gestellt werden, Terminvereinbarung binnen 2 Wochen ebenfalls mittels einer Online-Plattform. Die Zugangsdaten waren postalisch zugestellt worden. Am Folgetag der Begutachtung war das Gutachten online abrufbar und der Pflegegrad 4 zugeteilt worden. Automatisch wurde sofort das mit dem Pflegegrad verbundene Pflegegeld ausgezahlt. Einstieg ist super einfach, Pflegegeld wird sofort ausgezahlt!
Bedeutung Pflegegrad & Zugang zu Leistungen
Erhofft hatte ich mir, dass mit dem Pflegegrad der Zugang zur Kurzzeitpflege (um ein paar Tage verreisen zu können) und zur Tagespflege nun möglich sei.
Tagespflege
Leider wurde ich mehr als enttäuscht. Kurzfristig konnte ich einen Probetermin für die Tagespflege vereinbaren. Nachdem ich meine Frau zum Probetermin gebracht hatte, war ich kaum wieder zu Hause, als mich der Anruf der Einrichtung erreichte: Ich solle meine Frau schnellstmöglich wieder abholen, da man den Betreuungsaufwand (sie lief herum) nicht leisten könne und wolle. Nachfolgend bemühte ich mich bei weiteren Tagespflegeeinrichtungen um einen Tagespflegeplatz. Nach einer kurzen Schilderung der Situation wurde mir immer gesagt, dass aktuell „leider“ keine Plätze frei seien, man mich aber auf eine Warteliste setzen würde. Die typische Wartezeit wurde mit ungefähr vier Monaten beziffert. Von keiner dieser Wartelisten habe ich bis heute eine positive Rückmeldung erhalten, auch nicht auf Nachfrage.
Über die Zeit hat sich mein Eindruck verfestigt, dass die isoliert arbeitenden Tagespflegen sich ihre Kunden sehr genau aussuchen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es eher gemütliche Zusammenkünfte von alten Menschen waren, die ich aus meiner Kindheit als Altenkaffee kannte und die zumeist privat organisiert waren. Diese Angebote wurden nun in einem hochprofessionellen Rahmen mit etwa 100 Euro pro Tag und Person vergütet bereitgestellt. Geschätzter Jahresumsatz einer Tagespflegeeinrichtung: 500.000 € (eine halbe Million Euro). Hochregulierte Kriterien, die vermutlich in vielen Fällen vollkommen praxisfern und überdimensioniert sind, die die Tagessätze (leider) erklärlich machen. Dazu vermeidet man bewusst komplizierte Fälle, da sie zusätzlich personalintensiv sind.
Tagespflegeplätze sind in vielen Einrichtungen verteilt. Es gibt Listen, welche Einrichtungen Tagespflege anbietet. Dort hört aber die Gemeinsamkeit auf. Platzvergabe erfolgt pro Einrichtung nach nicht definierten Kriterien. Eine zentrale Übersicht über verfügbare Plätze ist nicht vorhanden. Ablehnungsgründe sind intransparent und es wird auch nirgendwo festgehalten, welche Art von Plätzen eventuell fehlen.
In meinen Augen braucht es eine zentrale Koordinierung über die Tagespflegen und gleichzeitig auch eine genaue Protokollierung und Zugangskriterien dazu, sodass die einzelnen Einrichtungen sich nicht individuell die interessantesten oder besten Fälle herauspicken können. Dringend erforderlich sind mehr Transparenz und Gerechtigkeit.
Kurzzeitpflege
Gleichzeitig begann ich mich um einen Kurzzeitpflegeplatz zu bemühen. Oft hörte ich keine freien Plätze oder nur ganz weit in der Zukunft. Hier daher auch leider kein Erfolg. In einer Pflegeeinrichtung bekam ich einen persönlichen Besichtigungstermin, bei dem man mir sagte, dass es für meine Frau leider keinen passen Platz gäbe, da niemand sicherstellen könne, dass sie nachts das Gelände nicht verlassen würde. Die Pflegeeinrichtung machte auch mich eher den Eindruck eines auf die Bedürfnisse von älteren Menschen ausgerichteten 3-4 Sterne Hotels. Rezeption, Restaurant, Cafeteria und gemeinsame Freizeitangebote. Das potentielle Zimmer für die Kurzzeitpflege hatte ein gemeinsames Badezimmer mit dem Nachbarzimmer. Gegenüber ein Aufzug und ein Treppenhaus, im EG einen Seitenausgang zum Außengelände mit direktem Zugang zu einer Hauptstraße. Ich habe eingesehen, dass meine Frau dort verloren gehen würde, wo sie bereits zu Hause die Toilette oft nicht mehr findet.
Für die Verhinderungs-/Kurzzeitpflege für maximal 8 Wochen zahlt die Pflegeversicherung aktuell maximal € 3539 pro Jahr (soll ab 2027 weniger werden / anders strukturiert werden) . Faktisch bekommt man für diesen Betrag aktuell ca. 3 Wochen für eine Unterbringung. Die meisten Einrichtungen mit denen ich gesprochen habe, waren auch nur bereit einmalig als Block ein Angebot zu machen. Zuzahlungen für Unterbringung und Verpflegung in dieser Zeit wurde mir mit ca. 130 € pro Tag genannt, d.h. ca. Eigenleistung 2700 € für die genannten 3 Wochen. Aber dazu muss man erst einmal einen Platz bekommen. Für uns faktisch im Moment nutzlos.
Die Pflegeeinrichtungen, denen die Kurzzeitpflegeplätze zumeist angeschlossen sind, erscheinen mir wie vollkommen überteuerte Hotels, zumindest für den Teil der Bewohner, die sich im Wesentlichen noch selbst bewegen.
Auch bei den Kurzzeitpflegeplätzen die gleiche Situation wie bei den Tagespflegeplätzen. Es gibt Listen, welche Einrichtungen Kurzzeitpflegeplätze anbieten. Dort hört es dann aber auch mit der Koordinierung. Jede Einrichtung vergibt eigenständig die Plätze wieder nach unklaren Kriterien und erneut werden eventuell fehlende Leistungsbereiche nicht erfasst.
Pflegeberatung
Verbunden mit den Leistungen eines Pflegegrad gibt es die Verpflichtung mehrmals im Jahr eine Pflegeberatung zu nutzen. Auch hier liess sich schnell ein Termin vereinbaren. Leider war die Pflegeberatung keine Hilfe. Bei der ersten Pflegeberatung wurden jede Menge Daten zu meiner Frau erfasst und abgefragt. Als Resultat wurde mitgeteilt, auf welche Leistungen sie Anspruch hat: Pflegegeld, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege, Pflegehilfsmittel, ambulanter Pflegedienst. Nutzlos, da diese Informationen gut aufbereitet auf Webseiten zu finden sind und alle bereits bekannt waren.
Die Nachfrage zu konkreten Tagespflege- und Kurzzeitpflegeplätzen gab es leider keinerlei Antwort oder Anregung. Dauerte der erste Beratungstermin knapp eine halbe Stunde, waren die folgenden Beratungsgespräche nur noch wenige Minuten lang, wobei die meiste Zeit auf das An- und Ausziehen der Jacke und das Auspacken/Verstauen des Tablet-Computers verwendet wurde.
Einzige Ausnahme war ein einziger Beratungstermin bei dem der Pflegeberater zwei Einrichtungen nannte, in denen seine demente Großmutter untergebracht war und regte an, dort evtl. einmal wegen eines Tagespflegeplatzes nachzufragen.
Aktuelle Situation
In einer der genannten Einrichtungen habe ich nach mehr als neun Monaten Vorlaufzeit für meine Frau einen Tagespflegeplatz bekommen. Der erste Probetermin war ebenfalls sehr enttäuschend. Als ich meine Frau mittags dort abholte, machte sie auf mich einen sehr zufriedenen Eindruck. Auch die Betreuerin in der Einrichtung bestätigte, dass der Probetermin gut geklappt hätte, obwohl meine Frau viel herumgelaufen sei.
Auf meine Nachfrage bezüglich des weiteren Vorgehens wurde mir aber mitgeteilt: „Aufgrund von Personalmangel können wir Ihre Frau im Moment nicht aufnehmen. Eventuell melden Sie sich in einigen Monaten noch einmal bei uns.“ Es hat dann noch ein gutes halbes Jahr gedauert und bedurfte mehrerer Telefonate sowie zunehmend eskalierender schriftlicher Kommunikation, bis ein erneuter Probetermin vereinbart werden konnte, dieser erneut erfolgreich war und meine Frau dort nun einige Tage in der Woche betreut wird. Glücklicherweise hatte ich wenige Wochen vor dem neuen Probetermin herausgefunden, dass die Medikamente meiner Frau in Kombination mit Koffein nicht die gewünschte Wirkung erzielten, obwohl es aus pharmakologischer Sicht keine Bedenken gab und die “Unbedenklichkeit” auf Nachfrage von den behandelnden Ärzten ausdrücklich kommuniziert war. Nach dem Verzicht auf Koffein ist meine Frau viel ruhiger geworden und somit nun auch voll-kompatibel für die Tagespflege.
Was gibt es sonst noch?
Einen häuslichen ambulanten Pflegedienst haben wir bisher nicht in Anspruch genommen, da ich dies Leistungen noch sehr gut noch selbst erledigen kann. Zudem würde die Abhängigkeit von fixen Terminen, die dann auch noch in einem hohen Grad variabel sind, im Tagesablauf eher Herausforderungen bedeuten, als dass sie tatsächlich eine Entlastung wären. Oft ist es so, dass meine Frau eine Pause braucht, bevor Dinge fortgesetzt werden können, und das ist natürlich gerade bei durchgeplanten und optimierten professionellen Pflegediensten schwer zu leisten.
Zusammenfassung
Zusammenfassend komme ich zu dem Ergebnis, dass die Geldleistungen aus der Pflegekasse sehr schnell fließen, auch wenn sie oft nicht das primäre Ziel sind und nicht immer benötigt werden. Es wäre daher sinnvoll zu überprüfen, inwieweit Geldleistungen tatsächlich erforderlich sind für die Lebenssituation der zu Pflegenden.
Mein Eindruck ist, dass es heute zu viele Beratungsangebote und Fachberatungen gibt, die aber inhaltlich wirkungslos sind, da ihnen die praktischen Erfahrungen bezüglich einer Umsetzung fehlen. Es ist schön und nett, nicht selbst Informationen heraussuchen zu müssen, auf welche Leistungen theoretisch ein Anspruch besteht, aber wenig hilfreich, wenn danach ein mühsamer Ansatz gesucht werden muss bei vielen einzeln isoliert arbeitenden Einrichtungen. Entweder wird das Angebot an Beratungsleistungen deutlich an den Bedarf optimiert im Sinne von: „Hier ist eine Liste von Einrichtungen A, B, C, bei denen du Hilfe bekommen kannst" und im Zweifelsfall wird auch aktiv mit nachgefragt, oder man kann diese Beratungsleistungen deutlich reduzieren.
Die vielfältigen Angebote bei einem Pflegegrad sind oft nicht zugänglich, da die Einrichtungen sehr isoliert arbeiten. Es bedeutet viel Aufwand, überhaupt an die richtigen Stellen zu kommen, und die Angebote sind nicht unbedingt zielführend.
Bei allen Angeboten in Einrichtungen bin ich der Meinung, dass hier eine zentralisierte Platzvergabe erfolgen müsste, um einen einfacheren Zugang zu ermöglichen und gleichzeitig sicherzustellen, dass kein Cherry Picking erfolgt. Auch wäre es anhand dieser zentralen Erfassung möglich, festzustellen, welche Betreuungsangebote jeweils fehlen, um auf der Angebotsseite nachsteuern zu können. Vermutlich würde eine zentrale digitale Plattform bereits ausreichen, und in den Fällen, in denen den Menschen der Zugang zu einer solchen digitalen Plattform nicht möglich ist, entsprechende Hilfestellungen bei der Bedienung.
Bei den Pflegeeinrichtungen und den damit verbundenen Kurzzeitpflegeplätzen ist mein Eindruck, dass in zwei Kategorien zu unterscheiden ist:
- Personen, die bettlägerig sind und eher in einem krankenhausähnlichen Zustand betreut werden.
- Bewohnerinnen und Bewohner, die noch selbstständig sind, aber an einzelnen Punkten Unterstützung benötigen.
Der ursprüngliche Ansatz eines Pflegeheims war sicherlich eher an Kategorie 1 ausgerichtet. Kategorie 2 wurde nun in diesen Ansatz integriert, bedeutet aber auch massiven Aufwand und damit verbunden gewaltige Kosten. Das ginge vermutlich auch kostengünstiger und weniger reguliert.
Ausblick
Oft wäre der Zugang zu einer (kleinen) barrierefreien Wohnung in Kombination mit modularen Unterstützungsangeboten (z.B. Reinigungsdienste, Essensangeboten) ausreichend. Langfristig wäre es hilfreich, wenn wir zentral gelegenere, altersgerechte Wohneinrichtungen hätten, die optional bestimmte Leistungen anbieten, wie Reinigung, Mahlzeiten und Freizeitangebote, aber nicht das hohe Maß an Betreuung einer geschlossenen Einrichtung benötigen. Auch könnten damit die ambulanten Pflegedienste entlastet werden, bei denen heute ein großer Teil der Arbeitszeit für die Anfahrt zur Pflegestelle aufgewendet werden muss. Nur im Bedarfsfall wäre dann der Wechsel zu einer stärker einrichtungsorientierten, hochstrukturierten Pflege erforderlich.