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Wir sind gefangen im Gesundheitswesen der 90er:Bitte faxen!

Eine Expedition ins deutsche Gesundheitswesen

Mein Vater kämpft seit einigen Wochen mit einer Harnwegsinfektion. Nach einem quälenden Wochenende stand gestern Vormittag ein weiterer Arztbesuch an. Aus der Arztpraxis erreichte mich der Anruf mit der Frage: „Kannst du mich ins Krankenhaus bringen?“ Ich ließ schnell alles stehen und liegen. Meine demente Frau wollte nicht mitkommen. Sie ist derzeit so gut eingestellt, dass ich kein Problem darin sah, sie für einige Stunden allein zu lassen. Das bestätigte sich auch bei meiner späteren Rückkehr.

Ich holte meinen Vater zu Hause ab. Er hatte bereits einen kleinen Koffer gepackt und drückte mir einen Stapel Papier in die Hand: eine Kurzzusammenfassung der Situation sowie ein ausgefülltes Überweisungsformular. Es fehlte jedoch die Information, wohin er genau musste.

Akt 1 - Papierberge im Krankenhaus

Nach einigen kurzen Aufregern bei der Anreise (Wo darf ich meinen Vater aussteigen lassen?) an der zentralen Patienten-Aufnahme angelangt. Eine digitale Voranmeldung durch den Hausarzt war nicht erfolgt. Mitgebrachtes Papier wurde in eine Mappe eingelegt, die Krankenkassenkarte war Basis für weitere Ausdrucke, die auch in die Mappe eingelegt wurden. Wir bekamen die Mappe in die Hand gedrückt und wurden zur zuständigen Ambulanz geschickt. Papier-Mappe abgegeben, gewartet, behandelt worden. Dann: Vater kann wieder nach Hause, Arztbrief wird an einem Bildschirmarbeitsplatz eingetippt und ausgedruckt. In diesem finden sich dann Sätze wie “Name nicht mehr erinnerlich” – vermutlich war die Papierakte wieder irgendwo und man konnte nicht nachschauen wer um was gebeten hatte. Dazu gab es noch ein Papier-Rezept.

Akt 2 - Ein Rezept ohne Unterschrift

Vater wieder ins Auto eingeladen, kurz vor seinem Zuhause die nahegelegene Apotheke aufgesucht. Der kritische Blick auf den Rezeptzettel machte. mich bereits leicht nervös. Mitarbeiter entschwindet in die hinteren Räume: “Moment bitte”. Nach einigen Minuten kommt er zurück: “Auf dem Rezept fehlt die Unterschrift des Arztes, das können wir so nicht einlösen!” — Diskussion der Alternative. Ergebnis: Apotheke legt das Medikament zurück, am Nachmittag Hausarzt anrufen, dort um die Neuausstellung des Rezepts bitten und Übermittlung per Fax an die Apotheke, diese bringt dann das Medikament am Abend zu meinem Vater. Gesagt getan, Mail an die Hausarztpraxis (GMail Account !) mit allen Papierdokumenten und bitte das Rezept zu übersenden. Nach fünf zusätzlichen Telefonaten konnte die Ersatzbeschaffung des Medikaments abgeschlossen werden. Zwischenzeitlich gelernt, dass in der Hausarztpraxis das Rezept auf die Krankenkassenkarte meines Vaters gespeichert wurde. Die Freigabe erfolgte bei diesem Arzt scheinbar nur im Sammelverfahren kurz vor Feierabend. Nachfolgend musste die Praxismitarbeiterin auf dieses abgespeicherte Rezept zugreifen und es Ausdrucken. Danach Fax an die Apotheke. Das Medikament landete am Abend im Briefkasten meines Vaters. Beiliegend ein Zettel mit der Bitte, in den kommenden Tagen die 5€ Rezeptgebühr auszugleichen. Das nicht unterschriebene Rezept hatte, aus welchen Gründen auch immer, einen “Kostenfrei” Vermerk.

Akt 3 - Die Suche nach einem Termin bei einem Urologen

Das Krankenhaus hatten meinen Vater entlassen mit dem Hinweis, dass er gerne bei Fieber oder Schüttelfrost sofort wieder kommen dürfe, ansonsten aber der Hausarzt nun für die weitere Behandlung zuständig sei. Der Hausarzt stellte “freundlicherweise” eine Überweisung zum Urologen aus, da ab diesem Punkt nicht mehr zuständig. Nachfolgend habe ich gesammelt zwei halbe Tage mit dem Abtelefonieren aller Urologen Umkreis des Wohnortes meines Vater verbracht. Gesucht wurde ein Termin für einen Katheter-Auslassversuch in der Folgewoche.

Praxis 1 hat noch Ferien, verweist an einen weiter entfernten Arzt.

Praxis 2 (der Verweis von 1) erklärt sich aufgrund des Wohnorts nicht zuständig und verweist auf die Tatsache, dass die gewünschte Behandlung ja auch in 5-6 Wochen erfolgen könne und da wäre ja die “zuständige Praxis” aus den Ferien zurück.

Praxis 3 ähnlich: Überlastung und Patienten nur aus Ort X. Aber es gäbe ja die Praxis 4 mit mehreren Kollegen, dort möge ich es doch bitte versuchen.

Praxis 4 war telefonisch über 2 Vormittage und einen Nachmittag nicht erreichbar: Entweder Leitung besetzt oder Anruf wurde nicht angenommen. Dort hatt man eine Doctolib-Seite. Terminangebote für gesetzlich Versicherte für die aufgeführte Anliegen im November/Dezember Zeitfenster. ODER: Selbstzahlertermine - Akute Beschwerden / Notfall zeitnah.

Praxis 5 war nicht erreichbar und auch ohne Möglichkeit zur Online-Terminanfrage.

Praxis 6 erklärte auch wieder die räumliche Nicht-Zustämdigkeit und Überlastung, obwohl bezogen auf Entfernung am nächsten zum Vater-Wohnort, aber seit 1975 in einem anderen Landkreis zugeordnet. Zwischenzeitlich hatte ich recherchiert, das die nötige Behandlung als Selbstzahler nicht die Welt kosten würde (< 100€). Da ich bereits massiv gefrustet war, die Optionen jenseits von Notaufnahme Krankenhaus, ausgingen, habe ich die Karte “Wann könnte ich denn einen Termin als Selbstzahler erhalten und was würde es ca. kosten?” gezogen. Termin gäbe es sofort, für die Kostendiskussion wurde ich direkt mit dem Arzt verbunden. Diesem die Situation geschildert. Nach kurzer guter und offener Diskussion gab es einen Termin für meinen Vater fünf Tage später ohne “Selbstzahlung”. Auch für diese Behandlung wurden wieder neu Papierstapel angelegt, es wurde aber auch fleissig in einen Computer getippt. Ausgabe dann aber immer wieder zurück auf Papier.

Akt 4 - Beschaffung in einem Sanitätshaus

Im Lauf der weiteren Behandlung nun ein Beschaffungsbesuch in einem Sanitätshaus. Ein Rezept beinhaltete die benötigten Dinge. In einem ersten Bearbeitungsschritt (ca. 10 Minuten) wurde unter Hinzuziehung von drei Kolleginnen festgestellt, dass die Mengenangaben auf dem Rezeot nicht stimmen würden und die Menge aus Gründen reduziert. Schritt 2 war dann 15 Minuten heranholen der benötigten Dinge inkl. ca. 3 Minuten Einweisung in die Anwendung. Schritt 3 die Information über die Dinge die im Starterpack nicht enthalten seien und selbst gekauft werden müssen oder ein sep. Rezept des Arztes erfordern würden (+5 Minuten). Weitere 10 Minuten waren erforderlich für die Kundenneuanlage in einem System zu erledigen, Austausch mit einem Kollegen, wie mit der passenden Krankenkasse (aus den TOP 3 bezogen auf Mitgliederzahlen) umzugehen sei. Nach füng weiteren Minuten für den Selbstzahler-Anteil konnte ich das Sanitätshaus verlassen.

Mein Fazit

Im genannten Ablauf habe ich erlebt, wie das deutsche Gesundheitswesen bezogen auf Digitalisierung fast durchgängig in den frühen 1990er Jahren stecken geblieben ist. Die Endgeräte sind vorhanden, werden aber wie “früher” nur im Stand-Alone Modus genutzt. Vernetzung ist auf dem Niveau “FAX” stecken geblieben.

Die Menschen mit denen ich es zu tun hatte, nutzen mit Sicherheit außerhalb ihres Berufslebens wie selbstverständlich moderne, vernetzte Kommunikations- und Organisatiosmittel. Sie werden aber aus (welchen ?) Gründen in ihrem Arbeitsleben täglich in die Vergangenheit zurückgebracht. Sie haben sich mit dem Unsinn arrangiert, wohlwissend wie ineffizient und rückständig ihr Handeln oft ist. Sie ahnen vermutlich, wieviel mehr Zeit sie mit Patienten und Kunden verbringen könnten, wenn der alte Kram endlich modernisiert wäre und Papier-Schnittstellen funktionieren würde. Ich glaubte dies ihnen Ansehen zu können oder hörte es auch. Wir müssen mehr als 35 Jahre schnell aufholen! Wir können das und wissen auch wie es funktioniert, müssen es nur machen.

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c't Abo kündigen - Meine c't Magazin Kritik nach 30 Jahren

Warum ich mein c’t Abo kündigen musste

Nach mehr als 30 Jahren habe ich beschlossen, mein c’t Abo kündigen zu wollen. Ende Juni war es endgültig vorbei. In den letzten Jahren ist die Bedeutung der Zeitschrift für mich immer weiter gesunken. Das wichtigste Heft aus dem Heise Verlag habe ich seit den 80er Jahren regelmäßig gelesen. War es damals und lange danach eine wichtige Quelle und ein Maßstab im IT-Journalismus für mich, nahm sein Wert ab den 2000er-Jahren immer mehr ab. Später wurde es ganz durch viele andere Quellen ersetzt.

Aus Gewohnheit und Tradition und aus Bequemlichkeit hatte ich das Abo bisher immer wieder verlängert. Künftig werde ich ab und zu noch einmal hineinschauen: Readly und die Stadtbibliothek werden meine Quellen sein.

Am Anfang hatte ich das Abo, weil die Archiv-CD ein großer Vorteil war. Ohne zu Hause Papierberge stapeln zu müssen, hatte ich direkten Zugang zu damals durchaus wichtigen alten Inhalten. Die Jahres-CDs wurden durch DVDs für längere Zeiträume und später durch ein Online-Archiv hinter einer Abo-Paywall ersetzt. Jedes Mal passte das zur Zeit.

Meine c’t Magazin Kritik zum Medienwandel

Gefühlt ist die c’t für mich stehen geblieben, während sich diese Themenwelt mit dem allgemeinen Medienwandel weiterentwickelt hat und sehr bunt geworden ist. Die c’t hat viele Chancen verpasst. Das Online-Forum hat bis heute ein grässliches UI und ist kaum nutzbar. Ein echter Austausch mit Lesern wurde nie ernsthaft gesucht. Auffällig ist: Zu jedem Artikel finden sich mindestens ein Dutzend (für mich meist nutzlose) Rückmeldungen. Darin geht es um den Nutzen des vorgestellten Themas für den jeweiligen Verfasser.

Ein weiterer Punkt für meine c’t Magazin Kritik: Geärgert hat mich ein nicht gehaltenes Versprechen in einem Artikel zu IPTV-Angeboten im Zusammenhang mit den Sportberichten zur Fußball-WM. Darin wurde ein Online-Update zum 12.06.2026 angekündigt. Eine tolle Idee, um das Print vs Digital Dilemma zu lösen und Updates im Netz nachzureichen. Aber weder am 12.06. noch in den Wochen bis zum Ende der WM konnte ich das Update finden. Versprochen - gebrochen!

Auch die Bastel-Projekte klemmen; Sie beginnen in der Print-Ausgabe, werden aber nicht auf der digitalen Seite weitergeführt oder wechseln schwer nachvollziehbar zwischen Online-Community und einer Zusammenfassung des Stands im Heft. News zu Produkten sind heute viel schneller online zu finden. Ohne zusätzliche Erklärung ist die Veröffentlichung in einem monatlichen Magazin unnötiges Papier.

Fazit: Print vs Digital als verpasste Chance

Ich frage mich noch, ob die sehr lange Weigerung, reine Digital-Abos anzubieten, ein kluger Zug war oder auch zum Abstieg beigetragen hat. Hätte ich mein Abo schon viel früher gekündigt, wenn es “pur digital” gegeben hätte? Auch der wenig attraktive Preisunterschied hat mich nach dem Start des Angebots nicht zum Wechsel bewegt. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dieses Abo bis vor kurzem noch hatte.

Ich werde die Entwicklung beobachten, befürchte aber, dass ohne große Änderungen bald nur noch der Satz “Wurde eingestellt” zu finden sein wird.

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Blogroll Curator + Hugo Blogroll Paket

Blogroll

Ich mag Blogrolls oder auch nur Empfehlungsseiten. Aktuell kommt durch rivva.de Bewegung in dieses Feld.

Blogroll Curator

Meine genutzten RSS-Plattformen (miniflux & FreshRSS) bieten jenseits von einer dezidierten Kategorie für meine Einträge auf meine Blogroll keine Möglichkeit Tags oder vergleichbares einem Feed hinzuzufügen. Auch alle Feedreader die ich kenne sind in dieser Hinsicht keine Hilfe. Daher habe ich eine kleine App assistiert gebaut: OPML-Export –> lokale Datenbank & Kuratierung (Auswahl, Mein Kommentar, Sprache des Blogs) –> OPML Ausgabe mit Zusatztags.

Screenshot Blogroll Curator

Erste Version ist hier zu finden: Github Blogroll Curator

Hugo Blogroll Paket

Um Blogrolls direkt aus einer OPML-Datei erstellen zu lassen habe ich zusätzlich ein Hugo Paket assistiert gebaut, dass die wesentlichen Dinge für eine Blogroll einer Hugo Site hinzufügt. Die Blogroll hier wird mit diesem Paket erstellt.

Github Hugo Blogroll

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40 Jahre Online

Erstes Modem

Zum Ende der Sommerferien 1986 kaufte ich mir ein Modem als Einsteckkarte für meinen Apple IIe. Den genauen Preis erinnere ich nicht, ich meine aber, dass es zwischen 300 und 400 Mark waren. Ich hatte während der Sommerferien bei einem Ferienjob Geld verdient und dieses Geld wurde zu einem Teil für den Kauf verwendet. Zu Hause hatten wir einen Telefonanschluß, der in meinem Zimmer ins Haus hereingeführt wurde. Dort habe ich das Modem irgendwie aufgeklemmt und es funktionierte auf Anhieb. Geschwindigkeit: 300 Baud (entspricht 300 Bit/s – ~30 Zeichen pro Sekunde).

Meine erste Verbindung erfolgte zu einem Mailboxsystem des WDR Computer Clubs. Für mich war das alles furchtbar spannend und aufregend, meinen Eltern war es mehr als suspekt. Das Telefon war ein geschlossenes System, Telefone gab es nur bei der Bundespost zu kaufen oder mieten. Computer waren selten, dass diese jetzt mit dem geschlossenen Telefonnetz verbunden wurden, irritierte.

Mailboxen (BBS)

Die damaligen Mailboxen waren in sich geschlossene Systeme, es gab Basisfunktionen für Anmeldung, privten Nachrichtenaustausch und öffentliche “Foren”. Das WDR System hatte zusätzlich eine 2er-Chat Funktion. Es gab zwei Einwahlmöglichkeiten. Jeder Nutzer konnte den parallel eingewählten Nutzer an-chatten. Da kamen manchmal schon obskure Chats bei heraus, die aber aus heutiger Erinnerung alle harmlos waren.

In der Zeit hat sich in Köln eine kleine, überschaubare Szene gebildet. Jeder kannte (fast) jeden. Wenn ich das richtig erinnere, dann entwickelte sich (typisch deutsch) der Verein Computer Artists Cologne (CAC).

Die meisten der damaligen Mailboxen basierten auf einer C64 Software, die Menge der gespeicherten Daten (nur ASCII Texte) war begrenzt auf die Anzahl der angeshlossenen Diskettenlaufwerke.

Um in den überregionalen Austausch zu kommen, musste eine Mailbox im Zielgebiet angewählt werden. Limitierender Faktor waren die Telefongebühren. Waren es im gleichen Ortsnetz und dem Bereich darum herum 23 Pfennig pro 8 Minuten, wurde es schnell teuer. Im Fernbereich waren es bereits 1,15 DM pro Minute. Und Verbindungen dauerten, da man manuell durch Menüs navigieren musste und Texte nur langsam herunter geladen wurden. Vor meinen Online Ausflügen lag unsere monatliche Telefonrechnung bei 30-40 Mark. Dies steigerte sich durch Online auf ca. 100 DM, war aber manchmal auch mehr.

Internationale Verbindungen - Datex-P

Seit 1987 arbeitee ich neben meinem Studium bei einem Software-Distributor für den Commodore Amiga. Dort waren Informationen zu Trends und neuen Entwicklungen Geld wert. Ich hatte herausgefunden das es eine Online Quelle für Branchennachrichten auf einem via Datex-P erreichbaren System in den USA gab. Die regelmäßigen Abrufe dort waren noch ein Stück aufregender für mich. Kosten pro Abruf des Newsletters ca. 100 DM für den Datentransport via Datex-P.

Internet

1990 kam für mich das Internet dazu. In Berlin gab es ein System, dass mit mehreren geteilt, eine 9600 Bit/s Uplink zur Uni in Berlin hatte. 1992 / 1993 dann ein Dial-Up Zugang mit eigenem Host über rhein.de, später dann per Dial-On Demand ISDN-Verbindung. Inhaltlich schreibe ich evtl. ein anderes Mal dazu.

Fazit

Die Mailboxen hatten schnell ihre Grenzen erreicht und wurden für mich langweilig. Auch spätere Vernetzungen im Fido-Netz haben nicht überdauert, sondern waren Brückentechnologie. Die hohen Kosten und Zugangsbarrieren sind zum Glück vorbei. Das Internet ist bis heute geblieben, auch wenn es heute sehr anders ist als 1990.

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Zugang zur Tagespflege so einfach?

Zum verrückt werden!

Der Kölner Stadtanzeiger veröffentlichte heute einen Artikel mit dem Titel Tagespflege NRW: Alleine darf man nicht sein, sagt Frau Nickel der mich richtig ärgerlich machte. Im Artikel wird die schöne Welt der Tagespflege beschrieben am Beispiel der 90-jährigen Frau Nickel. Dazu ist noch der “nette” Satz enthalten:

Die Tagespflege ist ein Angebot mit großem Potenzial. Und doch bleibt sie oft ungenutzt.

Meine Wirklichkeit

Seit mehr als einem Jahr bin ich auf der (bisher vergeblichen) Suche nach genau solch einem Tagespflegeplatz für meine demente Frau. Leider kann meine Frau aufgrund des Krankheitsfortschritts nicht alleine bleiben. Zur Zeit habe ich fürs Einkaufen und andere Erledigungen jede Woche zwei Entlastungen: Jeden Dienstag kommt für 2-3 Stunden eine ehrenamtliche Helferin. Donnerstags ist unsere Haushalthilfe für 3 Stunden bei uns. Alles andere erfordert langen Vorlauf und viel Organisation um am Abend alleine zu einer Veranstaltung gehen zu können.

Die Tagespflege wäre hier die passende Entlastung. Bei einigen Einrichtungen ist meine Frau über ein Jahr auf der Warteliste. Nachfragen leider immer erfolglos.

Zweimal hatten wir das große Glück, dass meine Frau an einem Probevormittag in einer Tagespflege teilnehmen durfte. Bei Einrichtung Nummer 1 war ich nach dem Hinbringen gerade wieder zurück zu Hause, als die Tagespflege anrief und bat meine Frau wieder abzuholen, da man ihre Betreuung nicht leisten könne. Grund: Sie lief zuviel herum!.

Bei Einrichtung Nummer 2 war es deutlich besser. Ich holte meine Frau um 13 Uhr ab. Sie machte einen zufriedenen Eindruck und auch das Feedback der Einrichtungsleiterin empfand ich als positiv und angemessen. Auf Nachfrage, wie es denn jetzt weiter gehe könnte, wurde mir dann aber beschieden, dass man meine Frau derzeit nicht aufnehmen könne, da man für die nächsten Monat dafür nicht das Personal habe. Ich könnte gerne in einigen Monaten nochmals nachfragen.

Von Fachberatern (von denen es jede Menge gibt) wurde mir mehrfach bestätigt, dass man beobachte, dass sich die Einrichtungen vor den komplizierten (Demenz-) Fällen drücken und diese nicht aufnehmen.

Leserbrief

Der nachfolgende Leserbrief wurde (bisher) nicht veröffentlicht. Allerdings meldete sich die Autorin des Artikels und stellte in Aussicht, dass sie auch nun mehrfach von den geschilderten Probleme gehört habe und dies im Artikel nicht berücksichtigt sei. Sie überlege möglicherweise nach der Sommerpause das Thema nochmals mit dieser anderen Sichtweise aufzunehmen.

Friede, Freude, Kirschenkuchen – Der exklusive Club der Tagespflege

Ein rührender Artikel: Frau Nickel schlendert entspannt zum Supermarkt für ein paar Kirschen und spielt vergnügt „Mensch ärgere dich nicht“.

Die Diakonie schwärmt zeitgleich, dieses „Angebot mit großem Potenzial“ bliebe leider „oft ungenutzt“. Da kommen einem als Angehöriger eines demenzkranken Menschen unweigerlich die Tränen – allerdings vor Wut und blankem Zynismus.

„Oft ungenutzt“? Das ist der Hohn des Jahres. Erzählen Sie dieses Märchen mal den Familien, die verzweifelt versuchen, für einen Menschen mit fortgeschrittener Demenz einen Platz zu ergattern. Die Realität abseits der redaktionellen Kirschen-Idylle lautet: Man verrottet jahrelang auf Wartelisten, auf denen sich praktischerweise niemals Vakanzen ergeben. Auf die fest zugesagten Rückrufe der Einrichtungen wartet man ohnehin bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Bekommt man doch einmal einen der mythischen Probetage, sieht die viel gepriesene „Teilhabe“ für Demenzkranke meist so aus: Das Telefon klingelt mitten am Vormittag. Man möge den Angehörigen bitte sofort wieder abholen. Der Gast sei zu unruhig, passe nicht in die Gruppe, kurzum: Er macht schlichtweg „zu viel Arbeit“. Ein echtes Träumchen für berufstätige Angehörige, die eigentlich Entlastung suchten.

Noch perfider ist nur Variante zwei: Der Probetag läuft wunderbar. Der demenzkranke Mensch blüht auf, hat erkennbar Freude an der Gesellschaft – ganz im Sinne des Mantras „Alleine soll man nicht sein“. Doch pünktlich an der Abhol-Tür gibt es den verbalen Tritt in die Magengrube: „Leider haben wir Personalmangel. Eine Betreuung ist bei diesem Aufwand nicht möglich.“

Es ist schon bemerkenswert, dass dieser Personalmangel immer exakt dann zuschlägt, wenn jemand echte Pflege benötigt. Und das, obwohl durch die hohe Pflegestufe des Demenzkranken ein deutlich höherer Tagessatz an die Einrichtung fließt! Das Geld der Pflegekassen nimmt man offenbar gerne – aber bitte nur für Premium-Gäste, die nett plaudern, sich selbst anziehen und beim Yoga mitmachen. Wer hingegen echte Arbeit macht, stört den unbeschwerten Betriebsablauf.

Frau Nickel hat völlig recht: Alleine soll man nicht sein. Aber die ungeschminkte Wahrheit der Tagespflege lautet: Wer dement ist, bleibt draußen. Wer dieses System der knallharten Rosinenpickerei als flächendeckendes Sicherheitsnetz verkauft, verhöhnt all jene Familien, die davon jeden Tag aufs Neue systematisch aussortiert werden.

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Marktlücke: Halbes Sachbuch zum halben Preis?

Jean-Remy von Matt: “Spart Zeit, ohne Erkenntnisverlust”

Ist das “halbe Sachbuch” eventuell eine Marktlücke, die es zu füllen gilt?

Auf der lit.Cologne: Eine Ikone der Werbebranche: Jean-Remy von Matt und die Bücher seines Lebens. Mit Jörg Thadeusz erklärte Jean-Remy von Matt, dass er Sachbücher immer nur bis zur Mitte liest. So spart er Zeit, ohne auf Erkenntnisse zu verzichten.

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Mein Hadern mit dem seltenen Beenden von Sachbüchern

Seit vielen Jahre hadere ich damit, dass ich nur bei sehr wenigen Sachbüchern bis zum Ende durchhalte. Die Buchmitte ist vermutlich ein guter Mittelwert. Nur Bücher, die in irgendeiner Form unterhaltsam sind, lese ich bis zum Ende.

Auf dem Heimweg nach der Veranstaltung hatte ich auch sofort das Buch präsent, bei dem mir klar wurde, dass die Kerngedanken aller Autoren sich immer in den ersten Kapiteln finden: Daniel Goudevert aus den 1990er Jahren zur Mobilität. Auch hier: Interessante Gedanken, die sich aber schnell wiederholten. Eine kurze Suche in unseren Bücherregalen nach dem Buch war erfolglos, aus der Erinnerung wurde es aus Platzgründen vor einem unserer Umzüge aussortiert.

Marktlücke ?

Einige haben sich bereits seit einiger Zeit mit dem Problem der Kurzzusammenfassungen beschäftigt, wie zum Beispiel Blink und Reader’s Digest. Heute ergänzen halbwegs brauchbare KI-Modelle, die große Sprachmodelle nutzen, diese Zusammenfassungen. Sie können auch interaktiv in einem Chat Fragen zu einem Buch beantworten.

Vielleicht sollten die Verlage zur Steigerung der Auflagen auch die “halbe Portion” Buch zum halben Preis anbieten, mit der Möglichkeit, den Rest bei Gefallen nachzukaufen. Das ist vermutlich ähnlich unrealistisch wie “faire” Preise für E-Books in Deutschland.

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Klage Eines Boomers

Fundstück

nightcat.one - Klage Eines Boomers von just another ­nervous wreck

URL: https://nightcat.one/2026/03/klage-eines-boomers/

Ob man will oder nicht – treibt man sich auf Kleinanzeigen- oder Nachbarschaftsportalen herum, lernt man mehr über den Bildungs- und Herzensbildungsdurchschnitt der Bevölkerung als man je zu erfahren wünschte.

[…]

Anreden fallen aus, Höflichkeit auch.

Der Beitrag hat mich an eine Diskussion mit meinem Vater erinnert, der sich heftigst über die Übermittlung einer Handwerkerrechnung per Email im Anhang ärgerte. Grund des Ärgers war die fehlende Anrede und einen Bezug zur Rechnung (Subjekt: Rg 2025-0184), dafür aber eine sehr ausführliche Grußformel im Sinne von “Herzliche Grüße aus XY, bleiben Sie Gesund und geben Sie acht….”
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allerleidabei - Los geht's

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Neuer Anfang

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wieviele Anläufe für eine eigene Webseite, ein Blog, mit den Inhalten die mir wichtig sind, zu erstellen.

Historie

Ich erinnere an einen ersten Versuch um 1993 / 1994 herum. HTML bahnte sich seinen Weg, alles wurde von Hand zusammengebaut. Archie und Gopher strebten Richtung Irrelevanz.

Es folgten Themen-spezifische Anläufe z.B. nur zu Tech-Kram, eine Sammlung bei Tumblr.

Ab 2011 eine kurze Phase der Begeisterung, das Facebook die ultimative Möglichkeit sein könnte, mein öffentliches Archiv zu werden. In 2016 habe ich diesen Irrglauben hinter mir gelassen und mich selbst dort wieder gelöscht.

Insta und andere habe ich nie versucht. Twitter schien mir nie geeignet dafür, war auch nie eine Austauschplattform für mich, mehr ungefilterte Nachrichtenquelle.

Obwohl mich Video als Medium seit den 1980er Jahren fasziniert und immer wieder Raum eingenommen hat, finde ich es für mich als Archiv ungeeignet. Daher waren YouTube und Tiktok keine Option.

Was passiert hier?

Jetzt habe ich mich entschieden, dass ich hier nur etwas für mich baue, nicht mehr und nicht weniger. Wer Mitlesen mag ist eingeladen. Wenn keiner mitliest macht das auch nichts.

Daher auch der Titel: allerleidabei – und ein wildes Allerlei wird es werden. Von Menschen, Zusammenleben über Tech inkl. AI, Gadgets, Kaffee, Essen, Kochen, Videotechnik, Photographie und Design, Kunst, Bücher, TV und Politik wird alles dabei sein. Vermutlich manchmal mit einem Schwerpunkt, oft aber wild verstreut.


  1. Edward Hopper gehört zu meinen Lieblingsmalern. Illustrationsbild erstellt mit Google Gemini. ↩︎

Quotes

Test Quote

Keep it simple, stupid!

US Navy
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