Erstes Modem

Zum Ende der Sommerferien 1986 kaufte ich mir ein Modem als Einsteckkarte für meinen Apple IIe. Den genauen Preis erinnere ich nicht, ich meine aber, dass es zwischen 300 und 400 Mark waren. Ich hatte während der Sommerferien bei einem Ferienjob Geld verdient und dieses Geld wurde zu einem Teil für den Kauf verwendet. Zu Hause hatten wir einen Telefonanschluß, der in meinem Zimmer ins Haus hereingeführt wurde. Dort habe ich das Modem irgendwie aufgeklemmt und es funktionierte auf Anhieb. Geschwindigkeit: 300 Baud (entspricht 300 Bit/s – ~30 Zeichen pro Sekunde).

Meine erste Verbindung erfolgte zu einem Mailboxsystem des WDR Computer Clubs. Für mich war das alles furchtbar spannend und aufregend, meinen Eltern war es mehr als suspekt. Das Telefon war ein geschlossenes System, Telefone gab es nur bei der Bundespost zu kaufen oder mieten. Computer waren selten, dass diese jetzt mit dem geschlossenen Telefonnetz verbunden wurden, irritierte.

Mailboxen (BBS)

Die damaligen Mailboxen waren in sich geschlossene Systeme, es gab Basisfunktionen für Anmeldung, privten Nachrichtenaustausch und öffentliche “Foren”. Das WDR System hatte zusätzlich eine 2er-Chat Funktion. Es gab zwei Einwahlmöglichkeiten. Jeder Nutzer konnte den parallel eingewählten Nutzer an-chatten. Da kamen manchmal schon obskure Chats bei heraus, die aber aus heutiger Erinnerung alle harmlos waren.

In der Zeit hat sich in Köln eine kleine, überschaubare Szene gebildet. Jeder kannte (fast) jeden. Wenn ich das richtig erinnere, dann entwickelte sich (typisch deutsch) der Verein Computer Artists Cologne (CAC).

Die meisten der damaligen Mailboxen basierten auf einer C64 Software, die Menge der gespeicherten Daten (nur ASCII Texte) war begrenzt auf die Anzahl der angeshlossenen Diskettenlaufwerke.

Um in den überregionalen Austausch zu kommen, musste eine Mailbox im Zielgebiet angewählt werden. Limitierender Faktor waren die Telefongebühren. Waren es im gleichen Ortsnetz und dem Bereich darum herum 23 Pfennig pro 8 Minuten, wurde es schnell teuer. Im Fernbereich waren es bereits 1,15 DM pro Minute. Und Verbindungen dauerten, da man manuell durch Menüs navigieren musste und Texte nur langsam herunter geladen wurden. Vor meinen Online Ausflügen lag unsere monatliche Telefonrechnung bei 30-40 Mark. Dies steigerte sich durch Online auf ca. 100 DM, war aber manchmal auch mehr.

Internationale Verbindungen - Datex-P

Seit 1987 arbeitee ich neben meinem Studium bei einem Software-Distributor für den Commodore Amiga. Dort waren Informationen zu Trends und neuen Entwicklungen Geld wert. Ich hatte herausgefunden das es eine Online Quelle für Branchennachrichten auf einem via Datex-P erreichbaren System in den USA gab. Die regelmäßigen Abrufe dort waren noch ein Stück aufregender für mich. Kosten pro Abruf des Newsletters ca. 100 DM für den Datentransport via Datex-P.

Internet

1990 kam für mich das Internet dazu. In Berlin gab es ein System, dass mit mehreren geteilt, eine 9600 Bit/s Uplink zur Uni in Berlin hatte. 1992 / 1993 dann ein Dial-Up Zugang mit eigenem Host über rhein.de, später dann per Dial-On Demand ISDN-Verbindung. Inhaltlich schreibe ich evtl. ein anderes Mal dazu.

Fazit

Die Mailboxen hatten schnell ihre Grenzen erreicht und wurden für mich langweilig. Auch spätere Vernetzungen im Fido-Netz haben nicht überdauert, sondern waren Brückentechnologie. Die hohen Kosten und Zugangsbarrieren sind zum Glück vorbei. Das Internet ist bis heute geblieben, auch wenn es heute sehr anders ist als 1990.