Warum ich mein c’t Abo kündigen musste
Nach mehr als 30 Jahren habe ich beschlossen, mein c’t Abo kündigen zu wollen. Ende Juni war es endgültig vorbei. In den letzten Jahren ist die Bedeutung der Zeitschrift für mich immer weiter gesunken. Das wichtigste Heft aus dem Heise Verlag habe ich seit den 80er Jahren regelmäßig gelesen. War es damals und lange danach eine wichtige Quelle und ein Maßstab im IT-Journalismus für mich, nahm sein Wert ab den 2000er-Jahren immer mehr ab. Später wurde es ganz durch viele andere Quellen ersetzt.
Aus Gewohnheit und Tradition und aus Bequemlichkeit hatte ich das Abo bisher immer wieder verlängert. Künftig werde ich ab und zu noch einmal hineinschauen: Readly und die Stadtbibliothek werden meine Quellen sein.
Am Anfang hatte ich das Abo, weil die Archiv-CD ein großer Vorteil war. Ohne zu Hause Papierberge stapeln zu müssen, hatte ich direkten Zugang zu damals durchaus wichtigen alten Inhalten. Die Jahres-CDs wurden durch DVDs für längere Zeiträume und später durch ein Online-Archiv hinter einer Abo-Paywall ersetzt. Jedes Mal passte das zur Zeit.
Meine c’t Magazin Kritik zum Medienwandel
Gefühlt ist die c’t für mich stehen geblieben, während sich diese Themenwelt mit dem allgemeinen Medienwandel weiterentwickelt hat und sehr bunt geworden ist. Die c’t hat viele Chancen verpasst. Das Online-Forum hat bis heute ein grässliches UI und ist kaum nutzbar. Ein echter Austausch mit Lesern wurde nie ernsthaft gesucht. Auffällig ist: Zu jedem Artikel finden sich mindestens ein Dutzend (für mich meist nutzlose) Rückmeldungen. Darin geht es um den Nutzen des vorgestellten Themas für den jeweiligen Verfasser.
Ein weiterer Punkt für meine c’t Magazin Kritik: Geärgert hat mich ein nicht gehaltenes Versprechen in einem Artikel zu IPTV-Angeboten im Zusammenhang mit den Sportberichten zur Fußball-WM. Darin wurde ein Online-Update zum 12.06.2026 angekündigt. Eine tolle Idee, um das Print vs Digital Dilemma zu lösen und Updates im Netz nachzureichen. Aber weder am 12.06. noch in den Wochen bis zum Ende der WM konnte ich das Update finden. Versprochen - gebrochen!
Auch die Bastel-Projekte klemmen; Sie beginnen in der Print-Ausgabe, werden aber nicht auf der digitalen Seite weitergeführt oder wechseln schwer nachvollziehbar zwischen Online-Community und einer Zusammenfassung des Stands im Heft. News zu Produkten sind heute viel schneller online zu finden. Ohne zusätzliche Erklärung ist die Veröffentlichung in einem monatlichen Magazin unnötiges Papier.
Fazit: Print vs Digital als verpasste Chance
Ich frage mich noch, ob die sehr lange Weigerung, reine Digital-Abos anzubieten, ein kluger Zug war oder auch zum Abstieg beigetragen hat. Hätte ich mein Abo schon viel früher gekündigt, wenn es “pur digital” gegeben hätte? Auch der wenig attraktive Preisunterschied hat mich nach dem Start des Angebots nicht zum Wechsel bewegt. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dieses Abo bis vor kurzem noch hatte.
Ich werde die Entwicklung beobachten, befürchte aber, dass ohne große Änderungen bald nur noch der Satz “Wurde eingestellt” zu finden sein wird.